Auf den Spuren der sieben Wunder

In der Stadtilmer Chronik ist zu lesen:

In einem alten Spruch heißt es: „Gallus, Anas, Pons et Turris, Fossa, Suile, Sunt, Ilmi – septem, Commemoranda poli.“ Zu deutsch: „Hahn, Ente, Brücke und Turm, Drache, Graben, Schweinestall, sind die sieben Wunder Stadtilms.“

Der Ursprung bzw. die Quelle des Spruches ist leider nicht vermerkt. Man kann aber davon ausgehen, das er bereits vor einigen hundert Jahren geprägt wurde. Welche Geschichten sich dahinter verbergen lässt sich leider kaum noch feststellen. Sicher ist, das die 7 Wunder im Verlaufe der Zeit verändert wurden.  Der Hahn, der Turm und der Drache wurden durch den Markt, die Klosterlinde und die Krypta ersetzt. Zwei der Wunder, die höchste Brücke und die Klosterlinde, sind heute nicht mehr zu sehen. Die „Ente“ befindet sich im Stadtilmer Museumsdepot. Ein Replikat der der „Höchstschwimmende Ente“ befindte sich seit 2016 als Denkmal („Entenstele“) an der ursprünglichen Stelle.

Der lateinische Spruch in der Chronik enthält auch einen kleinen Fehler, der Drache, der in der Übersetzung erwähnt wird, ist hier nicht vorhanden. Der Spruch müsste demzufolge richtig so lauten:

Gallus, anas, pons et turris, draco, fossa, suile sunt Ilmi – septem, commemoranda poli.

In kurzen Worten möchte ich, inspiriert durch eine privat organisierte Stadtführung in diesem Jahr,  zu einer „Sieben Wundertour“ durch Stadtilm einladen, die wir am Rathaus beginnen. (Ausführliche Informationen zu den Objekten kann man unter der Adresse http://stadtilm.com/kat/sehenswertes/ nachlesen.)

Kleiner Tipp für Familien mit Kindern: Machen sie doch mal mit ihren Kindern eine Stadtrallye und erkunden sie die sieben Wunder Stadtilms.

Im Jahr 1275 wurde durch Günther den IX., Graf von Schwarzburg, das 1267 in Saalfeld gestiftete Zisterzienser-Nonnenkloster nach Stadtilm verlegt. Das damals als Kloster genutzte Gebäude hat seit dieser Zeit einen häufigen Nutzungswandel durchlebt. Im Jahr 1492 wurde das Kloster durch einen Brand teilweise zerstört. Der nachfolgende Wiederauf- und Umbau erstreckte sich bis ins 16. Jahrhundert. 1533 wurde das Kloster durch den schwarzburgisch-arnstädtischen Grafen Heinrich XXXII. säkularisiert und diente ab dieser Zeit als Kammergut. (Kammergut bzw. Kameralgut hießen die Teile des Landes, über die der Landesfürst unmittelbar verfügen konnte. Die damalige Finanzbehörde hieß Kammer und verwaltete die Güter.) Die im Jahr 1735 geweihte Schlosskapelle diente ab dem 01.08.1780 neun Jahre für jegliche Gottesdienste und kirchliche Handlungen. 1811 kauft die Stadt das Schloss um kurz darauf an einen Privatbesitzer weiter zu veräußern. Ein Teile des Schlosses wurde als Gasthof verpachtet bzw. als Lager- und Wirtschaftsräume genutzt. 1897 kam es am 13. Oktober zu einem Brand. Dabei wurde das Dachgeschoss, die Kapelle und die Hauben des Turmes zerstört. Am 13.10.1897 brannte das Schloss erneut. Schließlich wurde das aus der Ruine wieder aufgebaute Gebäude am 01. Januar 1918 durch die Stadt erworben und als seitdem Rathaus genutzt.

Aus der Klosterzeit ist ein gotischer Kreuzgewölbe-Raum, die sogenannte Krypta (1) (heutige Bibliothek) und eine Steinofen-Luftheizung im Gewölben unter dem Ostflügel erhalten. Im Rathaus erinnert eine Sandsteintafel mit Inschrift an die erste überlieferte Weihe.

Die mindestens 500 Jahre alte Klosterlinde (2). Nach anderen Quellen soll die Klosterlinde (auch Schlosslinde genannt) 600, 700, ja sogar 800 Jahre alt gewesen sein. Im Januar 1937 hatte sie einen Umfang (in 1,60 m Höhe) von 7,20 m. 1938 musste sie gefällt werden.

Der „Größte Zinsboden Thüringens“(3) war das Speichergebäude des Zisterzienser-Nonnenklosters (heutiges Rathaus). Nach dessen wirtschaftlichen Aufschwung wurde um 1350 mit dem Bau dieses Gebäudes als Vorratslager für die Naturalabgaben begonnen.

Der Stadtilmer Marktplatz (4) gilt mit einer Fläche von etwa 10.170 m² als größter Markt Thüringens. Vor seiner Pflasterung im Jahr 1834 bestand der Marktplatz aus einem einzigen Sumpfgelände. Vor dem Brand (1780) war er durch das Rathaus verbaut  und  wirkte  deshalb kleiner.

Noch heute kann man hier das seit 1885 eingeweihte Methfesseldenkmal, in dessen Zentrum ein Obelisk dem in Stadtilm geborenen Komponisten Albert Methfessel gewidmet ist, bestaunen.
An der Stelle des Gebäudes, welches heute die Filiale der Sparkasse Arnstadt-Ilmenau beherbergt, stand bis 1966 das Hotel zum Hirsch, in dem Johann Wolfgang von Goethe auf seinen Reisen nach Ilmenau des Öfteren verweilte.

Mit der Sanierung des 3. Teilabschnittes des Marktplatzes im Jahr 2016, erfolgte eine Komplettsanierung des Methfesseldenkmals. Dazu wurde es komplett ab- und im Anschluss an die Sanierung wiederaufgebaut.

Unweit des Marktplatzes erhebt sich die Stadtkirche „Sankt Marien“(5) mit ihrer in Thüringen seltenen Westturmanlage. Die Doppelturmanlage mit Brücke (396 m ü.M.) zwischen den 43 m hohen Türmen war eine bemerkenswerte Besonderheit, die zum Wahrzeichen von Stadtilm im Stadtwappen erhalten blieb. Zwischen 1899-1903 fand eine umfassende Sanierung der Kirche statt. Hierbei wurden die einsturzgefährdeten oberen Teile der Türme neu aufgebaut. Die Brücke, die beide Türme miteinander verband, wurde während der Bauarbeiten abgerissen.

Die “höchstschwimmende Ente”(6). Bei der Ente handelt es sich natürlich nicht um eine echte Ente, sondern um ein Relief, das als Wasserstandmarke an die Thüringer Sintflut von 1613 erinnert. Das Relief befand sich ursprünglich an der Torsäule des Kellertores neben dem Gasthaus „Zur Ente“ in einer Höhe von über 2 m. Später kam es an das gegenüberliegende Gasthaus „Zum Bären“, wo die Reliefplatte am 6.8.1968 beim Abriss der   Gaststätte  durch  Unachtsamkeit  zerschlagen wurde. Nach ihrer Restaurierung wurde sie 1993  im  Heimatmuseum feierlich enthüllt. Im Mai 2016 kam die höchstschwimmende Ente an ihren ursprünglichen Ort zurück und kann dort an einer Stele bewundert werden.

Bürgermeister Lars Petermann konnte am 16.06.2016 vor zahlreichen Gästen eines der Stadtilmer sieben Wunder, die „Höchstschwimmende Ente“, an fast historischer Stelle, der Öffentlichkeit übergeben. Die Idee zum Projekt wurde vom Bürgerverein im Rahmen der Vorbereitung zum Stadtilmer Entenrennens 2015 geboren.

Seit 1302 ist der Stadtkern mit einer Fläche von 375x500m von der Stadtmauer (7), bestehend aus ca. 35 Halbtürmen im Abstand von 22 Metern, (welche die Stadtmauer um 2,50 m überragen) ummauert. Als oberer Abschluss der Mauer gab es einen unbedeckten Wehrgang (für die Wachen).

Dieser Artikel wurde zuletzt am 26. Januar 2017 aktualisiert.