Der „Hutnichtabnahme-Verein Stadtilm“

Früher war es üblich, daß die Kinder die Erwachsenen, die Herren die Damen und die Jüngeren die Älteren grüßten. Kinder nahmen beim Grüßen die Mütze ab, die Herren zogen bei der Begegnung auf der Straße den Hut. Allerdings hatte dies den Nachteil, daß man sich in der kalten Jahreszeit durch das häufige Grüßen erkälten konnte.

1905 hatten die Stadtilmer eine Idee: Sie verzichteten auf das Hutabnehmen in der Zeit vom 1. Oktober bis zum 1. Mai des nächsten Jahres und grüßten stattdessen militärisch. Dies durften sich aber nur Männer erlauben, die älter als 30 Jahre und Mitglied des „Hutnichtabnahme-Vereins Stadtilm“ waren. Die Mitglieder dieses Vereins brauchten keine Beiträge zu entrichten, sollten aber laut § 3 der Vereinssatzung am 1. Mai eines jeden Jahres den Betrag für einen gemeinnützigen Zweck spenden, den sie durch das „Hutnichtabnehmen“ gespart hatten: Arztkosten, Medizin und längere Lebensdauer der Hutkrempe.

Der in Stadtilm gegründete „Hutnichtabnahme-Verein“ genoß in Deutschland große Sympathie. So war z.B. im „Hamburger Fremdenblatt“ vom 26.11.1905 folgendes Gedicht abgedruckt:

„Hut auf!“
Bei Erfurt liegt ein kleines Nest –
Stadtilm ist es genannt-
Das sicherlich der großen Welt
Bis dato kaum bekannt.

Indessen muß dies kleine Nest
Doch ziemlich „helle“ sein:
Dort existiert, wie man uns schreibt,
Schon ein „Hut auf“ – Verein.

Und der ist wahrlich nicht so dumm –
Denn mancher sicherlich
Holt jetzt aus purer Höflichkeit
Die Influenza sich.

Besonders wenn es friert und schneit,
Und wenn das Haupt schon kahl,
Ist der gewohnte Achtungsgruß
Oft peinlich und fatal.

Da spart wohl mancher in Stadtilm
Sich eine böse Kur,
Wenn er mit dem Verein „Hut auf“
Grüßt militärisch nur.

Von allen Glatzen in der Welt
Sei drum gebracht ein Gruß
Dem Klub „Hut auf“, vor dem man doch –
Den  Hut  abnehmen  muß!

Dieser Artikel wurde zuletzt am 29. April 2016 aktualisiert.