1930 – 1945

Dieser Artikel wurde zuletzt am 26.Februar 2015 aktualisiert.

1931
Der erste Tonfilm in Stadtilm: Am Donnerstag, dem 1.10., 19.30 Uhr, eröffnete Herr Max Ebert, Besitzer des Hotel „Zur Post“ seine neu eingerichteten Lichtspiele. Die Leitung hatte der von früher her bekannte Kinofachmann Herr Mohr aus Großbreitenbach. Der erste Sprech- und Tonfilm in Stadtilm wurde an diesem Tag vorgeführt. Es war der Streifen „Atlantic“, der vom Schiffsuntergang der Titanic handelte. Alle Karten waren ausverkauft.
Es wurde damit begonnen, eine notdürftige Badegelegenheit am sogen. Quirlloch in der Ilm zu schaffen. Bei einer Flußschau wurden aber die Änderungen am Ufer beanstandet und der Badbau mußte eingestellt werden. Die Stadt wollte sich aber weiterhin bemühen, die Genehmigung zur Anlegung eines Bades zu erhalten.

1933
Am 30.1. wurde Adolf Hitler zum Reichskanzler ernannt.
Am 1.5. erhielten Reichskanzler Adolf Hitler und Gauleiter Fritz Sauckel das Ehrenbürgerrecht von Stadtilm.
Am gleichen Tag wurden folgende Straßen umbenannt:

  • Bahnhofstraße in Hindenburg-Straße,
  • Marktplatz in Adolf-Hitler-Platz,
  • die Weimarischestraße vom Markt bis zum Gasthaus „Zum Löwen“ in Fritz-Sauckel-Straße.

Der Teil der Weimarischen Straße unterhalb des Gasthauses „Zum Löwen“ behielt seine bisherige Bezeichnung bei.
Die Volksbücherei Stadtilm wurde am 5.5. zwecks „Neuordnung“ geschlossen.
Am 16.6. erfolgte das Verbot und die Auflösung folgender Vereine:

  • Reichsbanner „Schwarz-Rot-Gold“, Ortsgruppe Stadtilm
  • Arbeiter-Turnverein Stadtilm
  • Fußballabteilung der „Freien Turner“ Stadtilm
  • Radfahrverein „Vorwärts“ Stadtilm
  • Arbeiter-Samariter-Kolonne Stadtilm
  • Verein „Freie Sänger“ Stadtilm

Verboten wurde auch die SPD und ihre Jugendorganisation „Rote Falken“.
Nach einer Anordnung des Ministeriums vom 28.6.1933 waren SPD-Mitglieder von einer Mandatsausübung ausgeschlossen. Aus diesem Grunde legten die gewählten Mitglieder des Stadtrates Böhm, Wenzel und Kramer am 10.6. anläßlich einer Stadtratssitzung ihre Mandate nieder.
Am Buchberg erfolgte die Einrichtung eines Reichs-Arbeitsdienstlagers (RAD).

1934
Am 3.7., dem Tag der Deutschen Luftfahrt, stellte der Fliegerstützpunkt Stadtilm das erste, fast fertige, in Stadtilm gebaute, Segelflugzeug in der Öhm’schen Lederfabrik zur öffentlichen Besichtigung aus.
Am Sonntag, dem 16.9., fand in Oberilm die Weihung des Schulneubaues statt.
Die erste Stadtilmer Schulmaschine (Segelflugzeug) vom Typ „Grunau 9“ wurde am Sonntag, dem 14.10., durch Bürgermeister Heberlein auf den Namen „Stadtilm“ getauft.

1935
Das erste, in Stadtilm gebaute, Segelflugzeug „Stadtilm“ wurde am Sonntag, dem 24.2., von B-Flieger Anemüller in Arnstadt (Weinberg) eingeflogen.
Am 26.2. erfolgte der Zusammenschluß der hiesigen Turn- und Sportvereine und es wurde eine Ortsgruppe Stadtilm des Deutschen Reichsbundes für Leibesübungen gegründet.
Im August wurden von den um das Methfesseldenkmal stehenden Ulmen 5 Stück auf der Nordseite entfernt, weil die Wurzeln der Bäume das Fundament des Denkmals beschädigten.
Aus Anlaß des 150. Geburtstages des berühmten Sohnes der Stadt, Albert Methfessel, fand am 25.8. in Stadtilm eine Gedenkfeier statt.

1936
Mit Jahresbeginn ging die Stromversorgung auf die Stadt über. Somit wurde der Strom von 110/220 auf 220/380 Volt umgeschaltet.
In der Nacht vom 16. zum 17.1. brach Feuer im Sägewerk Ernst Röhr, Baumallee, aus. Werkstatt, Schuppen und der Holzvorrat brannten ab. Auch das Wohnhaus wurde stark beschädigt.
Das traditionelle Gregoriusfest fand am Sonntag, dem 28.6. und Montag, dem 29.6., statt. Beim Umzug marschierten die Jungen erstmals ohne die „althergebrachten Schleppsäbel“.
Am Sonntag, dem 20. 9., kam in Stadtilm zum ersten Mal ein Film zur Vorführung, in dem einzelne Szenen in Farbe mit dem Ufa-Kolorverfahren gedreht worden waren. Der Spielfilm hieß „Der rote Reiter“.

1937
Zur Förderung der Seidenraupenzucht beschaffte die Stadt 1000 Maulbeerpflanzen und ließ sie oberhalb des neuen Friedhofes anpflanzen.
Die „Ratskeller-Lichtspiele“ wurden renoviert. Am Sonnabend, dem 10.7., war Neueröffnung.
Die ersten 2 Sirenen wurden installiert (auf dem Rathaus und dem Feuerwehrgerätehaus).

1938
Am 18.6. wurde in Stadtilm erstmals ein Farbfilm in voller Länge vorgeführt. Es handelte sich um den Film „Ramona“, der im Technicolor-Verfahren hergestellt worden war. Grundlage der Handlung bildete der gleichnamige Roman von Helen Hunt Jackson.
Der in der Sportschuhmacherei Oberstdorf hergestellte „größte Schuh der Welt“ war am 27.6. zwischen 17.00 und 19.00 Uhr in Stadtilm auf dem Adolf-Hitler-Platz zu bewundern. Er war 3,20 Meter lang und wog 10 Zentner.

1939
Die drei Linden auf dem Buchberg „Bismarck-, Hindenburg- und Zeppelinlinde“ wurden im Januar durch den Landrat von Arnstadt als Naturdenkmäler unter Schutz gestellt.
Am 15.2. fand in Stadtilm, von 19.30 bis 22.00 Uhr, eine große Luftschutzübung unter dem Motto „Das luftschutzbereite Haus“ statt.
Mit Beginn des neuen Schuljahres, am 12.4., erfolgte die Einweihung der Stadtilmer Mittelschule in Gegenwart des Kreisleiters Pg. Wilhelm Mütze (* 1904). Das Gebäude war auf 700 Jahre alten Mauern errichtet worden.
Nach Einbruch der Dunkelheit, am 14.6., fand in Stadtilm wieder eine Luftschutzübung statt. Die Stadt war gut verdunkelt.
Am 26.8. wurden die Reservisten der Deutschen Wehrmacht alarmiert und Gestellungsbefehle schon am frühen Morgen zugestellt.
Am 28.9. trat die Bezugsscheinpflicht für Lebensmittel in Kraft. Brot, Mehl, Kartoffeln und noch einige andere Güter fielen nicht unter dieses Gesetz. Das Hamstern von Lebensmitteln wurde unter Strafe gestellt.
Die einberufenen Reservisten, die sich nicht in ihrer Kaserne melden mußten, fanden sich auf dem Adolf-Hitler-Platz (Gasthaus „Zum Stern“) ein. Sie wurden in das RAD-Lager einquartiert, nachdem die dortigen Insassen in die „Methfesselschule“ umgezogen waren. Es wurde eine Nachschubkompanie aufgestellt.
Diese Kompanie marschierte am 31.8., gegen 11.45 Uhr, zum Bahnhof. Um 15.00 Uhr fuhr der Zug in Richtung Arnstadt ab. Auf dem Viadukt winkten die Einberufenen ihrer Heimatstadt und ihren Angehörigen noch einmal zu.
Mit dem Überfall der deutschen Truppen (ohne Kriegserklärung) auf Polen am Freitag, dem 1.9., begann der Zweite Weltkrieg.
Der erste Stadtilmer, der dem Krieg zum Opfer fiel, war der 28-jährige Albert Gang (+ gefallen am 11.9. 1939). Viele, viele sollten noch folgen.
Es mußten für die Verbraucher von Fleisch und Fleischwaren, von Milch und Milcherzeugnisse (auch Speiseöle und -Fette) Kundenlisten angelegt werden. Ausweisabschnitte waren beim Einkaufen vorzulegen.
Alle Lebensmittel wie Brot, Fett, Fleisch, Milch, Marmelade, Eier, Zucker sowie Seife und Hausbrandkohle gab es ab 25. bzw. 26.9. nur noch auf Bezugsscheine bzw. Lebensmittelkarten zu kaufen.
Magermilch war von dieser Regelung ausgeschlossen, sie wurde auf Wunsch sogar frei Haus geliefert (a Liter 14 Pfg.).
Die Stadtilmer Volksbücherei wurde am Montag, dem 27.11., 16.00 Uhr, in der Mittelschule wieder eröffnet. Sie besaß etwa 600 Bände.

1940
Der Winter war kalt (bis zu -25 Grad C.). Die Kohlen wurden knapp und es gab sie nur auf Bezugsscheine zu kaufen.
Das Gregoriusfest fand am 23.6. statt. Es wurde ein Umzug durchgeführt. Wegen des Krieges gab es keine Musik und auch keine Bratwürste.
In der Nacht vom 23. zum 24.7. waren möglicherweise erstmals feindliche (englische) Flugzeuge über unsere Stadt geflogen. Auf Singen hatten sie Leuchtbomben abgeworfen.
Erster Fliegeralarm, nicht in Stadtilm, aber in der Saline wurde am 12.8. ausgelöst. Es sind Detonationen und Flugzeugmotorengeräusche ungefähr aus Richtung Bad Berka zu hören.
Stadtilm hatte seinen ersten Fliegeralarm in der Nacht vom 16. zum 17.8. Die Bewohner suchten die Luftschutzkeller auf. Ein gut wahrnehmbares Detonationsgeräusch stammte von einem Bombenabwurf auf Marlishausen.

1941
Am 22.6. erfolgte der Überfall Hitler-Deutschlands auf die Sowjetunion.
Die NS-Frauenschaft hatte in diesem Jahr zum 1. Mal erfolgreich Seidenraupen gezüchtet. Die Raupen waren in der Mittelschule, im Raum neben der Bibliothek aufbewahrt. Es handelte sich um ca. 4000 Raupen.
Am Montag, dem 22.9., war zum ersten Mal Fliegeralarm am Tage. Bisher war dies immer nur nachts geschehen. Feindliche Flugzeuge überflogen Stadtilm.

 

1942
Die 3 Glocken der Stadtkirche läuteten am 13.3. zum letzten Mal. Sie mußten für Rüstungszwecke abgeliefert werden. Am 16.3. war in der Stadt das Dröhnen der Glocken zu hören, als man sie auf dem Glockenturm zerschlug, um transportfähige Stücke zu erhalten. Nur die kleine Glocke blieb verschont.

1943
Die in und bei Stalingrad eingekesselten deutschen Truppen kapitulierten am 31.1. und 2.2.
Im August wurde in dem Keller der Mittelschule vom aus Obernessa bei Naumburg stammenden Physiker, Dr. Kurt Diebner und seinen Mitarbeitern, ein Versuchslabor für die Urankernspaltung und Brennversuche mit Uran und Deuteriumoxideis eingerichtet. Der Schulunterricht in der Mittelschule blieb davon unberührt. (Alle anderen “Berichte” über Räumung der Schule und dergleichen sind völliger Unsinn!!)
1944
Mit der Landung am 6.6. in Nordfrankreich eröffneten die westlichen Alliierten in Europa die zweite Front.

1945
Bei einem Bombenangriff am 6.2. auf Arnstadt kamen u.a. die 16-jährige Ruth Volk aus Oberilm und die 19-jährige Anne-Marie Langguth aus Stadtilm ums Leben.
Eine SS-Truppe mit der Bezeichnung „Nachrichteneinheit 500“ bezog Quartier in der Methfesselschule.
Fast täglich war jetzt Fliegeralarm.
Die Front rückte immer näher auf Stadtilm zu; die Amerikaner waren auf dem Vormarsch.
Am 4.4. zogen deutsche Truppenteile durch die Stadt. Die Amerikaner standen schon vor Gotha.
Ab 6.4. wurden täglich KZ-Häftlinge gruppenweise durch die Stadt geführt. Sie kamen aus 3 verschiedenen Richtungen vom Lager S III, Jonastal:

  1. über Arnstadt, Marlishausen
  2. über Espenfeld, Siegelbach, Dannheim, Niederwillingen
  3. vom Barackenlager Crawinkel kommend über Frankenhain, Gräfenroda, Liebenstein, Plaue, Reinsfeld, Niederwillingen

Tiefflieger umkreisten am 7. und 8.4. Stadtilm und beschiossen die Stadt mit Bordwaffen. Mehrere Häuser bekamen Treffer ab. Verwundet wurden Hugo Linde, Carl Meißner, Frau Stäger und Frau Simmen. Auch der Bahnhof wurde angegriffen und einige Wagen in Brand geschossen. Herbert Heunemann in Oberilm wurde tödlich getroffen, als er einen fliehenden deutschen Soldaten einlassen wollte.

Wehrmachtsangehörige sprengten die Mühlgrabenbrücke, die zum Bahnhof führte und zerstörten die Oberilmer Brücke teilweise.
Am 10.4. wollte die Wehrmacht eine Sprengung des Viadukts vornehmen. Der erste Sprengversuch mit zwei Zweizentnerbomben richtete aber mehr Schaden an den benachbarten Gebäuden an. Zu einer zweiten Sprengung kam es nicht mehr. Die auf dem Viadukt liegende schwere Mine wurde von Professor Nöller, der Erfahrungen aus dem Ersten Weltkrieg hatte, entschärft und von einigen mutigen Stadtilmer Bürgern vom Viadukt (in Richtung Arnstadt) gerollt und am Bahndamm verwahrt.
Zwei Fliegerbomben schlugen am 11.4. (nicht am 10.4.!!), um 10.30 Uhr, in den Kirchgarten ein und rissen je ein 5 Meter tiefes Löcher mit 10 Meter oberen Durchmesser. Dabei wurde die Methfesselschule fast vollständig zerstört und die Stadtkirche stark beschädigt. Auch die umliegenden Häuser wurden in Mitleidenschaft gezogen (Fenster zersprangen, Dachziegel fielen herunten).
Hilmar Keßler wollte noch Kinder in sein Haus lassen, als er einen Splitter abbekam und schwer verletzt wurde. Er erlag in der Nacht (12.4.) seiner Verwundung.
Am Abhang des Sperlingsberges hoben die Angehörigen der Hitlerjugend und des Volkssturmes Schützenlöcher aus. Den vorrückenden amerikanischen Soldaten sollte Widerstand geleistet werden.
Der Direktor des Atomlabors (in der Mittelschule) Dr. Kurt Diebner zog sich am 10.4. (nach anderer Quelle 2 Tage früher) neben anderen Wissenschaftlern unter Mitnahme wertvollen Materials in Richtung Bayern zurück. Auch der Koordinator für den Bau der Atomreaktoren, Prof. Walter Gerlach, der sein Büro ebenfalls in Stadtilm hatte, setzte sich ab.
Die Front rückte immer näher. Am Nachmittag des 11.4. gelang es einer deutschen Infanterie-Einheit (Nachhut) zwischen Niederwillingen und Stadtilm, den feindlichen Vormarsch für kurze Zeit zu stoppen. 2 Amerikaner wurden getötet, 3 verwundet und 20 gefangengenommen. Einige ihrer Fahrzeuge, die mit Beutestücken gefüllt waren, wie Dolche, Säbel, Abzeichen, wurden in der Stadt abgestellt. Die Gefangenen führte man in Richtung Rudolstadt ab.
In der Nacht vom 11. zum 12.4. wurde Stadtilm aus Richtung Tännreisig und Hohes Kreuz unter Artilleriebeschuß genommen. Mehrere Häuser bekamen Volltreffer ab, einige gerieten dadurch in Brand. Die Häuser der Familien Alfred (oder Bruno?) Krieger, Gustav Axt, Max Horn, Fritz Schulze und Max Gräser und die Hintergebäude des Friseur Meißner, der Familie Fritz Kirsten und andere brannten ab. Viele weitere Häuser bekamen Treffer ab.
Am Morgen des 12.4., zwischen 6.00 Uhr und 7.00 Uhr, begannen die Amerikaner in Stadtilm einzurücken, da wurden sie von der Kellerbrücke her mit Panzerabwehrwaffen beschossen. Daraufhin erwiderten sie das Feuer in Richtung Buchberg (Wilhelmshöhe).
Der Volkssturm löste sich auf, Wehrmacht und SS zogen in Richtung Rudolstadt ab. Nazibürgermeister und Ortsgruppenleiter Pg. Max Heberlein schloß sich ihnen an. Als sein Nachfolger hatte er Adelbert Hartmann eingesetzt.
Einige Gebäude brannten total ab, andere waren stark beschädigt.
Der zum Bürgermeister ernannte Adelbert Hartmann übergab am 12.4. die Stadt.
Die US-Soldaten begannen damit, Haus für Haus zu kontrollieren. Viele Leute befanden sich noch in den Luftschutzkellern. Wenn die Amerikaner verschlossene Türen vorfanden, wurden sie gewaltsam geöffnet. Einige US-Soldaten fuhren mit kleinen Autos durch die Straßen der Stadt und schossen wahllos in verschiedene Häuser.
Der Stab der US-Einheit quartierte sich im Rathaus ein. Einzelne Häuser und sogar ganze Häuserreihen mußten von der Bevölkerung ohne Mitnahme von Gegenständen geräumt werden: die gesamte Ostseite des Adolf-Hitler-Platzes, Fritz-Sauckel-Straße Nr. 1 bis 12, Teile der Oberen Marktstraße und Lindenstraße, Turnvater-Jahn-Straße, Hinterm Schloß, Am Andreasberg u.a.
Es fanden Ausweiskontrollen statt, und es bestand Ausgehverbot von 19.00 Uhr bis 8.00 Uhr (später von 18.00 Uhr bis 8.30 Uhr). Alle Waffen, Ferngläser, Radios und Fotoapparate mußten abgegeben werden.
Die Amerikaner zogen weiter, es blieben nur wenige hier. Im Rathaus wurde die Kommandantur eingerichtet.
Ein Ausschuß Stadtilmer Bürger wurde gebildet, die unter der amerikanischen Besatzung die Ordnung aufrecht erhalten sollten.
Es wurden ca. 100 Personen als Polizeihelfer (mit Armbinde aber ohne Waffen) eingesetzt. Die „Rote Schule“ diente als Wachlokal.
Der ehemalige Mitarbeiter im Atomlabor Mittelschule Stadtilm, Dr. Ernst Stuhlinger, wurde wegen seiner Englischkenntnisse als Assistent des Bürgermeisters und auch als sein Fahrer eingesetzt. Das Auto, ein DKW, hatten die Amerikaner vorher requiriert. Der Bürgermeister war auch für mehrere Nachbardörfer mit verantwortlich und mußte oft dorthin gefahren werden.
Die schwer beschädigte Methfesselschule wurde nach und nach „alle“. Die Stadtilmer holten sich, was sie benötigen: Ziegeln, Balken, Dachsparren, Dachlatten, Backsteine, Dachrinnen usw.
Adolf Hitler, Ehrenbürger Stadtilms (aber auch vieler oder sogar aller deutschen Städte) beging am 30.4. Selbstmord.
Am 7.5. unterzeichneten Generaloberst Alfred Jodl, Chef des Stabes des OKW und Genrealfeldmarschall Wilhelm Keitel, Chef des Oberkommandos der Wehrmacht, die bedingungslose Kapitulation Deutschlands. Der Waffenstillstand tritt am 9.5.1945 um 00.1 Uhr in Kraft.
Einige Wochen nach Einzug der Amerikaner in Stadtilm (möglicherweise schon am 20.4.) wurden sie von französischen Truppen abgelöst. Dr. Ernst Stuhlinger blieb, wie er sich selbst ausdrückte „mit lückenhaften“ (französischen) Sprachkenntnissen, Dolmetscher beim Bürgermeister.
Die befreiten Kriegsgefangenen (Russen, Polen, Italiener, Letten, Tschechen, Esten und Galizier), die in der Schießhalle neben dem Schützenhaus untergebracht waren, wollten eine bessere Unterkunft haben und brannten deshalb am 17.5. das Gebäude ab. Tagsüber streiften diese „Sieger“ durch die Stadt und nahmen den Leuten die Fahrräder ab.
Die Besatzungsmacht wechselte am 1.6. erneut. Die Franzosen (oder Belgier) übergaben wieder an die Amerikaner, die sich hauptsächlich am Markt und in die Obere Marktstraße einquartierten.
Ein schreckliches Gerücht machte die Runde: „Die Russen werden Thüringen besetzen!“ Die Leute hatten große Angst davor.
Ein untrügliches Zeichen für den Wahrheitsgehalt dieses Gerüchts war die Tatsache, daß die Amerikaner in den Betrieben wertvolle Maschinen und Anlagen demontierten und wegschafften.
Ab 4.7.1945, um 0.00 Uhr, war Stadtilm Bestandteil der Sowjetischen Besatzungszone. Die Sowjetarmee rückte ein.
Neuer Bürgermeister wurde Christian Mocigamba.
Jeden Tag passierten sowjetische Truppenteile Stadtilm. Es handelte sich vor allem um Wagen mit Pferden. Sie führten auch beschlagnahmte Kühe mit.
Ausschreitungen und Vergewaltigungen kamen vor.
Am 5.7. wurde auf dem Markt, unmittelbar neben dem Methfesseldenkmal, ein verunglückter sowjetischer Soldat mit militärischen Ehren beerdigt. Eine Militärkapelle spielte und ein dreifaches Salut übers Grab wurde geschossen.
Am gleichen Tag eröffneten wieder die Schulen.
Seit 28.8. arbeitete die Post wieder, allerdings wurden nur Briefe angenommen, die innerhalb der sowjetischen Besatzungszone zuzustellen waren.
Die Angst in der Bevölkerung vor den „Russen“ ließ allmählich nach. In Stadtilm befanden sich damals etwa 20 Mann, die im Amtsgericht wohnten. Zwei Frauen machten dort sauber, aber das Kochen erledigten sie selbst für sich. Die Besatzer gingen ohne Waffen aus dem Haus und trugen rote Armbinden mit den Buchstaben K H (Das “H” ist natürlich das russische “N”).
Der erste Betrieb des Kreises Arnstadt, der in Volkseigentum überging, war die Saline in Oberilm. Ihr folgten Lederwerk und Gelatinefabrik.
Gerhard Hoffmann (* 11.6.1913) begann das völlig vernachlässigte Heimatmuseum gemeinsam mit seiner Ehefrau wieder herzurichten.
Das auf dem Buchberg stehende Denkmal für die Gefallenen des Ersten Weltkrieges wurde abgerissen.