Der Schloßbrand von 1897

Rathaus um 1897 (Brand des Schlosses)Am 13.10.1897, gegen 8:00 Uhr abends, brannte das Stadtilmer Schloß. Der Stadtilmer Anzeiger vom 16. Oktober 1897 berichtet dazu: Das ganze riesige Gebäude sowie die mächtigen beiden Türme sind vollständig ausgebrannt; außerdem fielen einige angrenzende, zu Ökonomie- und Brauereizwecken dienende Gebäude dem entfesselten Element zum Opfer. Eigentümer war zu dieser Zeit Herr Otto Martini.

Ein weiterer Bericht schildert das Ereignis:
Es war am Mittwoch Abend (13.10.1897), gegen 8,00 Uhr, als am Schloßgasthof Vorübergehende schwarzen Qualm aufsteigen sahen, wenige Secunden darauf brach die Flamme aus der mit Erntevorräthen angefüllten ehemaligen Schloßkirche und verbreitete sich blitzschnell über die ganze lange Front des stattlichen Gasthauses. Die sofort alarmierten Pflicht- und freiwillige Feuerwehr waren in kürzester Zeit mit sämtlichen 7 Spritzen zur Stelle; von den Kirchtürmen ließ die große Glocke ihren weithinschallenden Hülferuf ertönen, den man bei dem starken Südwest ganz deutlich in Dienstedt hörte. Mit großer Schnelligkeit trafen 17 Spritzen aus der Umgegend zur Hülfe ein.

Ganz besonders bedroht waren die Fürstlichen Amtsgebäude mit dem Restaurant und Amtsgericht sowie die ganze Schloßstraße. Die mit dem Erntesegen gefüllten Scheunen bildeten eine große Gefahr für die Weiterverbreitung des Feuers, doch gelang es den vereinigten Bemühungen der Wehren, den Brand auf das von vornherein rettungslos verlorene Schloß zu beschränken. Ein kolossaler Funkenregen brauste über die Stadt hinweg und drohte noch an anderen weit entlegenen Punkten zu zünden. „Schaurig schön“, – so hieß es allgemein – war der Anblick des Feuermeeres von den Äckern am Krankenhause aus; noch einmal traten die kunstvollen Bogen der alten Schloßkirche in blutrother Beleuchtung vor die Augen, um dann unter donnerndem Krachen den unersättlichen Feuerschlund zu stürzen. Wahrhaft großartig war der Brand der Türme; die Kuppel des großen leuchtete weithin in die Lande, die beiden Glocken sowie die Uhr stürzten in das Innere des Turmes hinab; der Turmknopf fiel in den Schloßgarten.

Durch den Fall hatte sich der Turmknopf geöffnet und es wurde ihm eine Büchse entnommen, worin sich Aufzeichnungen über die Geschichte Stadtilms sowie Münzen befanden, die am 24. Sept. 1849 bei Gelegenheit einer nothwendigen Reparatur an der Schloßthurmfahne dem Kopfe einverleibt worden waren. – Nachts gegen 1 Uhr war die Gefahr für eine Weiterverbreitung des Feuers beseitigt, doch mußten die Feuerwehren bis Morgens 7 Uhr ununterbrochen in angestrengter Thätigkeit bleiben. Sehr gelobt wurde die Ruhe, Ordnung und unermüdliche Thätigkeit, welche die Feuerwehrleute unter umsichtiger Leitung der Herren Bez. Brandmeister Bauer, Ortsbrandmeister Knaußt und Hauptmann Speerschneider bei Bewältigung ihrer diesmal sehr schweren Aufgabe bewiesen; man ist der Ansicht, daß diejenigen Versicherungsgesellschaften, welche durch die Aufopferung der Wehren vor sicherem Verlust bewahrt blieben, einen kleinen Prozentsatz ihrer Ersparnisse diesen gemeinnützigen Körperschaften dediciren sollten. – Der Schloßgasthof ist bei der Aachen-Münchener Gesellschaft versichert.

Bis zum Jahre 1811 war das Schloß Fürstliches Eigenthum; von da an bis in die 70er Jahre gehörte es der Stadt, von welcher es an Herrn Bräutigam für 60.000 Mark verkauft wurde; das gleichzeitig mit verkaufte Schießhaus kostete 30.000 Mark.

Schon gestern und noch mehr heute brachten die Eisenbahnzüge Fremde, welche sich die interessante Ruine ansehen wollen; die einen vergleichen sie mit der Ruine des Klosters zu Paulinzelle, die anderen mit dem Heidelberger Schloß. Die Landleute wallfahrten in ganzen Schaaren nach ihrem früheren Absteigequartier und wer je im Schloß geturnt, gesungen, getanzt, festgegessen, getrunken oder sich sonstwie amüsiert hat, schaut bedauernd in das große Chaos. Unsere Feuerwehren sind noch eifrig mit ablöschen beschäftigt; an ein Aufräumen ist noch wenig zu denken, da schiefe Mauern, Schornsteine, Balken und Pfeiler jeden Augenblick mit Einsturz drohen. Gestern Morgen haben mehrfache photographische Aufnahmen der imposanten Ruine stattgefunden; Postkarten mit Ansichten des Schlosses finden massenhaften Absatz. Über die Entstehungsursache des Brandes verlautet noch nichts bestimmtes.

Dieser Artikel wurde zuletzt am 31. März 2015 aktualisiert.